S&P 500: Abwärtspotenzial von 50 Prozent? Shiller KGV mahnt weiter zur Vorsicht!

Das sogenannte Shiller-KGV gilt als einer der besten Maßstäbe, um die Attraktivität von Aktien oder Indizes zu messen. Ist die ausgerechnete Kennziffer niedrig, dann lautet das Votum: „Attraktiv“. Ist die Zahl hoch, dann ist Vorsicht angebracht.

Was ist das Shiller KGV?

Das herkömmliche KGV, das die Gewinne eines Unternehmens ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs setzt, war dem Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Robert J. Shiller und seinem Kollegen John Campbell nicht aussagekräftig genug, da der Gewinn aufgrund von Sonderbedingungen kurzfristig stark schwanken kann. Daher machten sich die beiden Ökonomen Gedanken über eine aussagekräftigere Kennziffer. Daraus entstand das Shiller-KGV

Der Durchschnitt macht den Unterschied

Shiller und Campbell nahmen nicht den aktuellen Gewinn, sondern die Gewinne der vergangenen zehn Jahre als Grundlage für ihr erweitertes KGV und schon war der Shiller KGV geboren. Kurzfristige Ausschläge beim Gewinn fallen jetzt nicht mehr so stark ins Gewicht. Zusätzlich werden die Zahlen noch um die Inflation bereinigt, so wird zusätzlich die Verzerrungen des Wertverlustes des Geldes ausgeschaltet. Unterm Strich steht dann eine Zahl, die die Attraktivität einer Aktie oder eines Index widerspiegelt.

Shiller KGV hat sich schon bewährt

Ich bin zwar kein großer Fan von Backtests, aber hätten Anleger im September 1929 das Shiller-KGV schon gekannt und die Daten zu Rate gezogen, so hätte der Wert 32,6 Zähler erreicht. Kurz darauf ging es an der Börse richtig rund.

Ende der 90er-Jahre hatte sich das Shiller KGV schon etabliert und zog immer weiter in die Höhe. Kurz vor der Jahrtausendwende erreichte es sogar 44,2 Punkten, der bisher höchste Wert überhaupt. Etwa drei Monate danach, ging es an den Märkten ordentlich zur Sache. Ab März 2000 entwich die Luft aus der Internetblase, bis zum Frühjahr 2003 brachen die Kurse an der US-Börse um rund zwei Drittel ein, ganz ähnlich in Deutschland und an allen anderen Aktienmärkten.

Crash-Gefahr im S&P 500?

Bevor es September anfing an den Märkten ungemütlich zu werden, lag das Shiller KGV über dem Wert von 1929. Da der Index im Oktober allerdings 7,2 Prozent an Wert eingebüßt hat, liegt die Kennziffer mittlerweile wieder etwas tiefer bei 30,55. Immer noch ein hoher Wert, der eigentlich nicht Gutes verheißt.

Shiller KGV verzerrt?

Gerade die Tatsache, die Shiller und Campbell ausschließen wollten, wird jetzt als Gegenargument gebracht. Viele Experten wischen den hohen Shiller KGV mit der Aussage beiseite, dass die Kennziffer verzerrt sei, da sie die Gewinne aus den Jahren von 2008 und 2009 enthalte. Damals waren die Gewinne der Unternehmen dramatisch zusammengebrochen. Zudem wurde noch vor einigen Wochen die gute Stimmung an den Märkten angeführt.

Durchschnittliches Shiller KGV liegt bei etwas mehr als 15

Die Partylaune im S&P 500 trübt sich allerdings aktuell wieder ein Stück ein, womit dieses Argument nicht mehr so sehr ins Gewicht fällt. Aktuell ist das Shiller KGV doppelt so hoch wie der langjährige Durchschnitt. Würden die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 stagnieren, lässt sich das Abwärtspotenzial im S&P 500 leicht errechnen, 50 Prozent. Da die Gewinne im laufenden Jahr im Durchschnitt allerdings anziehen, lässt sich zwar ein leicht höheres Shiller KGV rechtfertigen. Allerdings ist ein Wert über 30 Prozent immer noch deutlich zu hoch und mahnt zur Vorsicht.

Quelle: onvista