BMW: Daimler enttäuschte, VW überraschte In welche Richtung fahren die Münchener?

Beim Autobauer BMW wird Vorstandschef Harald Krüger an diesem Donnerstag zum letzten Mal vor seinem Abtreten die Quartalszahlen vorlegen. Ab Mitte August übernimmt der bisherige Produktionsvorstand Oliver Zipse das Steuer im Vierzylinder in München. Werden ihm die Zahlen für da zweite Quartal viel Arbeit mit auf den Weg geben oder ziehen die Münchner die Reißleine, damit der neue Mann am BMW-Lenker einen leichteren Start hat?

Hat BMW den Weg in die Zukunf verschlafen

Erzrivale Daimler schreibt gerade rote Zahlen, die VW-Tochter Audi unterbietet die schwachen Zahlen des Vorjahres – die schlechte Branchenlage hat die deutschen Premiumhersteller voll erwischt. Auch BMW musste in diesem Jahr schon vor niedrigeren Gewinnen warnen als zuvor prognostiziert. Und auch wenn das vor allem an der 1,4 Milliarden Euro schweren Rückstellung für eine mögliche EU-Kartellstrafe lag: Die Zahlen aus dem Tagesgeschäft waren zuletzt selten berauschend.

Im ersten Quartal riss die Rückstellung das Kerngeschäft der Bayern, den Automobilbau, in die roten Zahlen. Aber auch ohne den Sondereffekt hätte sich die Marge vor Zinsen und Steuern von starken 9,7 Prozent im Vorjahr auf 5,6 Prozent fast halbiert.

BMW hat im zweiten Quartal insgesamt und auch mit der Stammmarke BMW weltweit etwas mehr Autos verkauft als im Vorjahr. In China läuft es zwar trotz der Marktschwäche rund, weil der Konzern hier jetzt mehr Modelle aus inländischer Produktion anbieten kann. Außerhalb von China stand aber mit allen Marken ein Absatzminus von rund 5 Prozent. BMW klagte zudem noch im Mai über Preisdruck in Europa. Auch Rivale Mercedes-Benz bekam das zuletzt noch zu spüren.

Der designierte neue Chef Oliver Zipse muss das Profil von BMW in den kommenden Jahren schärfen. Dem noch amtierenden Krüger wurde Zaghaftigkeit unter anderem bei der Elektrostrategie vorgeworfen. BMW setzt bisher vor allem auf starke Verbrennungs- oder Hybridantriebe und hat nach dem Marktstart des vollelektrischen i3 2013 das Thema schleifen lassen.

Weil der weniger CO2 ausstoßende Diesel bei den Verbrennern in Verruf geraten ist, kommt BMW jetzt mehr und mehr in Bedrängnis, die Emissionsziele der EU spätestens 2021 einzuhalten. 2018 meldete BMW einen Flottendurchschnittswert von 128 Gramm CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer. 2021 soll er europaweit im Schnitt bei 95 Gramm liegen, BMW darf allerdings wegen der Größe der Autos etwas mehr ausstoßen, Analysten rechnen mit 101 Gramm.

Zudem drängt der US-Elektroautopionier Tesla vor allem mit seinem Massenmarktmodell Model 3 immer stärker in eine Domäne der Münchener vor, in die sportliche Premium-Klasse. Erst im kommenden Jahr kann BMW zudem mit dem iX3 den ersten Vollelektro-SUV liefern – und liegt damit hinter den Rivalen Mercedes-Benz (EQC) und Audi (E-tron).

Darüber hinaus muss Zipse das Sparprogramm umsetzen, mit dem bis Ende 2022 insgesamt 12 Milliarden Euro eingespielt werden sollen. Die Entwicklung neuer Modelle soll schneller werden, fast die Hälfte der heutigen Antriebsvarianten dürfte entfallen. Die Mitarbeiterzahl soll nicht wachsen. Für BMW ebenfalls ein großes Thema ist der anstehende Brexit, bei dem sich nach der Wahl von Hardliner Boris Johnson zum neuen Premier ein eher ruckartiger Austritt ohne Abkommen abzeichnet. BMW baut den Mini im Stammwerk in Oxford und will künftig auch den Elektro-Mini unter anderem dort fertigen. BMW betont aber, den Kleinwagen auch woanders bauen zu können.

So plant BMW

BMW geht in diesem Jahr von einem leichten Anstieg der verkauften Autos aus (VJ: 2,5 Mio). Eine Aussage zum Umsatz gibt es bisher aber nicht. Inklusive der Kartellrückstellung dürfte die operative Marge (Ebit) im Autogeschäft zwischen 4,5 und 6,5 Prozent landen nach 7,2 Prozent im Vorjahr. Wechselkurse und höhere Rohstoffpreise dürften im Gesamtjahr mit einer Belastung von 600 bis 650 Millionen Euro zu Buche schlagen, hieß es zuletzt.

Das Vorsteuerergebnis, in dem auch die Ergebnisse aus den chinesischen Gemeinschaftsunternehmen enthalten sind, wird deutlich unter dem angepassten Vorjahreswert von 9,6 Milliarden Euro erwartet. „Deutlich“ bedeutet bei BMW einen Rückgang von mehr als 10 Prozent, das wären nur noch gut 8,6 Milliarden Euro. Die 1,4 Milliarden Euro Kartellrückstellung noch einbezogen wären es sogar nur bis zu 7,2 Milliarden. Den Barmittelzufluss, der sowohl wichtig für die Dividendenzahlung ist als auch Aufschluss geben kann über die Ausgabendisziplin, erwartet BMW im Autogeschäft auf Vorjahresniveau – also bei 2,7 Milliarden Euro.

Analysten rechnen mit Rückgang

Der Konzernumsatz dürfte im zweiten Quartal nach Schätzungen der acht von Bloomberg bis Mittwoch befragten Analysten um 1,5 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro gestiegen sein. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erwarten die Experten mit 2,16 Milliarden Euro um ein gutes Fünftel unter dem Vorjahreswert. Ebenso stark gefallen sind demnach das Vorsteuerergebnis und der Nettogewinn.

Analyst Jose Asumendi von JPMorgan interessiert vor allem, wann und wie es der Autobauer zur eigentlichen Zielrendite von 8 bis 10 Prozent im Kerngeschäft zurückschaffen will. Im zweiten Quartal kalkuliert er die operative Marge hier bei 7,1 Prozent.

Harald Hendrikse von Morgan Stanley konzentriert sich auf den Barmittelzufluss aus dem laufenden Geschäft. Angesichts der Branchenlage scheine es eine Schlüsselaufgabe, den Free Cashflow zu erhalten. Eine geänderte Strategie bei CO2-Emissionen sowie ein noch schärferes Gegensteuern bei den Kosten könnte Zipse einen Erfolg bei den Investoren verschaffen.

Kein gutes Jahr bislang für die Aktie

Die BMW-Stammaktie könnte einen Impuls gut gebrauchen. Im laufenden Jahr und auf die vergangenen zwölf Monate hat sich das Papier schwächer entwickelt als der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts. Die Erholung der Branche um rund 10 Prozent in diesem Jahr hat BMW gar nicht nachvollzogen – im Gegenteil, die Aktie liegt rund 6 Prozent im Minus.

Bei deutlich unter 70 Euro ist das Papier derzeit weit weg vom Zwischenhoch bei 97,50 Euro Anfang 2018. Ganz zu schweigen vom Rekordhoch im Frühjahr 2015 bei 123,75 Euro, das in noch viel weitere Ferne gerückt ist.